Schwitzhütten in Nordfriesland Die indianische Schwitzhütten-Zeremonie  Die Schwitzhütte ist nichts anderes als ein ehrwürdiger Ort der Reinigung und des Betens. Äußerlich betrachtet besteht der Aufbau des Schwitzhüttenplatzes aus einem mächtigen Feuer, dem Altar mit dem Baum des Lebens und der eigentlichen Schwitzhütte. In seiner Gesamtheit ist dieser Platz ebenso ein Altar, ein heiliger Ort, den wir mit entsprechendem Respekt betreten sollten. Das Feuer repräsentiert die Kraft der Sonne. In ihm werden die Steine, von uns liebevoll „Großväter“ genannt, bis zur Rotglut erhitzt und dann in die Schwitzhütte gebracht. Die Steine, so sagt man, waren die ersten denkenden Wesen auf dieser Erde. Im Inneren der Erde ist diese Glut immer noch vorhanden. Sie wärmt unseren Planeten von innen heraus, ohne diese Wärme wäre hier kein Leben in der Form wie wir es jetzt vorfinden möglich. Wenn die Steine in die Schwitzhütte getragen werden ist es gleichzeitig die Erinnerung daran, dass aus der Sonne heraus sich in ein riesiger glühender Stein gelöst hat - die Erde in ihrem Urform - und seinen Ursprung umkreist. Die glühenden Steine bringen das Leben in die Schwitzhütte - Wärme, die Sonnenstrahlen. Jeder Stein ist ein Gebet, deswegen werden die Steine respektvoll begrüßt und bevor sie in die Schwitzhütte getragen werden, kurz gesäubert. In der Zeremonie wird auf diese Steine Wasser gegossen, dass sich als Dampf verteilt. Er umhüllt uns dann wie Fruchtwasser, das im Bauch einer Schwangeren das ungeborene Leben umgibt. Die Schwitzhüttenzeremonie ist Jahrtausende alt. Die Dramaturgie, die große Hitze und die absolute Dunkelheit in der Hütte können zu einem Aufheben des gewohnten Denkens führen. Ängste, Sorgen, Probleme, alte Muster und behindernde Gewohnheiten können sich in diesem besonderen Raum auflösen; mögliche Lösungen werden hiermit deutlicher. Die Zeremonie hat eine starke, reinigende Wirkung für Körper, Geist, Gefühl und Seele. Sie öffnet das Herz und kann die Tür zu unserer inneren Stimme weit aufmachen. Sie bietet die Möglichkeit zur Selbsterkenntnis und Veränderung. So kann man Kraft und Klarheit tanken für die Aufgaben im Alltag. Die Schwitzhütte selbst wird meist aus Weiden- oder Haselnussruten gebaut. Vor der Zeremonie wird sie mit einigen Lagen Wolldecken und Planen abgedeckt. In der Hütte ist es stockdunkel. Man sitzt im Kreis, vor sich in der Mitte in einer weichen Kuhle die rot glühenden Steine, die draußen in einem kraftvollen Feuer erhitzt wurden. Die Schwitzhütte symbolisiert den schwangeren Bauch von Mutter Erde. Wir begeben uns also zurück an den Ursprung unseres eigenen Seins. Wenn man in ihr sitzt, ist es nicht nötig, sich an einen anderen Ort zu sehnen, der uns gefällt. Der Uterus der Mutter ist der sicherste Ort, an dem sich ein Kind aufhalten kann. Die Steine werden gebracht, die Wärme kehrt ein. Wasser wird aufgegossen. Körperliche Reinigung außen, seelische Reinigung innen. Draußen vor der Hütte wird auf eine spezielle Art ein kraftvolles Feuer errichtet. Alles, was irgendwie mit diesem Feuer zu tun hat, liegt in der Obhut eines Feuerhüters. Im Zentrum dieses Feuers befinden sich, je nach Hüttengröße, rund zwei Dutzend etwa kohlkopfgroße Basaltsteine. Diese Steine werden vor dem Anzünden des Feuers auf eine bestimmte zeremonielle Weise in die Feuerstelle gelegt. Wenn sie durchdringend rot glühen, werden pro Runde einige der Steine in die Hütte gebracht. Wie heiß es wird, hängt von der Menge und Größe der Steine sowie davon ab, wie viel Wasser der Wassergießer im Laufe einer Runde darauf schüttet. Sprich „Mitakuje Ojassin”, wenn du die Dunkelheit der Schwitzhütte betrittst.  Was so viel heißt wie „Danke allen meinen Verwandten” oder „Für alle meine Verwandten”. Wir sagen es beim Betreten und Verlassen einer Schwitzhütte. Es ist ein Zeichen von Dank und Respekt vor der Schöpfung, deren Teil (und nicht Krone) wir sind. Denn alle Wesen aus den Reichen der Steine und Mineralien, der Pflanzen, der Tiere und der Menschen sind unsere Verwandten. Eine Schwitzhüttenzeremonie besteht insgesamt aus vier Runden, in denen wir danken, Wünsche für andere und uns selbst laut gesprochen, oder leise gedacht hervorbringen können und gemeinsam Lieder des Dankes und der Kraft singen. Zwischen jeder Runde wird die Tür geöffnet, kühle Luft kommt herein. Die Dunkelheit ist Schutz und Hilfe zugleich.  Man kann sich in der Dunkelheit intensiver auf seine Empfindungen konzentrieren und besser erspüren, welche Aspekte einer einzelnen Runde im Moment für einen wichtig, heilsam oder fördernd sind. Je mehr Leute in der Hütte sind, desto weniger Platz hat der Einzelne. Wenn man sich innerlich weit der Zeremonie öffnet, wird einem die räumliche Enge nichts oder nur wenig ausmachen. Das gemeinsame Erlebnis und die verbindende Absicht unterstützt sowohl den Kreis wie auch den Einzelnen. Jede der vier Runden hat einen anderen Fokus bzw. zielt auf einen anderen Aspekt des Daseins. Durch Geschichten, Beispiele und Erläuterungen macht der Aufgießer die Teilnehmer/Innen mit der jeweiligen Qualität und Kraft jeder Runde vertraut. Anschließend ist genügend Raum für jeden, tief in sich hineinzuschauen und nachzuspüren, wo in seinem Leben gerade die spezielle Kraft einer Runde benötigt wird. Und wie man sie in den persönlichen Alltag integrieren und leben kann. Was ist, wenn es einem zu heiß wird?  Dann darf man rausgehen. Andererseits ist es gut, Grenzen auch mal zu überschreiten. Vermutlich wird man in der Dunkelheit nicht mehr wissen, wo der Eingang ist. Und selbst wenn: man kann ja nicht einfach ab durch die Mitte kriechen, denn da liegen die heißen Steine. Ein klares und lautes „Ich möchte die Hütte verlassen” reicht dem Aufgießer, um den Türhüter/Feuerhüter draußen zu veranlassen, die Tür weit zu öffnen. Die anderen machen Platz und man kann in aller Ruhe die Hütte verlassen. Die höflichste Form, die Hütte vorzeitig zu verlassen: Laut und deutlich sagen „Ich möchte meine Verwandten sehen”. Da man in der Hütte nur etwas sehen kann, wenn die Tür geöffnet ist, weiß dann jeder Bescheid. Ansonsten gilt, sich immer wieder zu entspannen. Kopf zur Erde, mit der Stirn den kühlen Boden berühren. Die Kraft, die zuviel für einen ist, kann man an die Erde oder jemand anderen weitergeben, der sie gut gebrauchen kann. Den Abschluss einer Schwitzhütten-Zeremonie bildet stets ein gemeinsames Essen und ein Erfahrungsaustausch, was eine meist benötigte Erdung bewirkt. Der Weg der Naturvölker ist keiner, der missionieren will, doch hätten viele davon zu lernen.                                                   (Quelle: www.Schwitzhuetten.de) Mitakuye Oyasin